China-Chance statt China-Schock

In Europa geht das Gespenst vom „China-Schock 2.0“ um. Manche fürchten das Land als wirtschaftliche Konkurrenz. Wer wissen will, ob solche Sorgen gerechtfertigt sind, für den lohnt ein Blick ins ostchinesische Yiwu. Seit Beginn der Reform und Öffnung hat sich die zuvor völlig unbekannte Kreisstadt zur weltberühmten Kleinwarenhandelsmetropole aufgeschwungen, was der Welt eine Fülle wirtschaftlicher Chancen beschert. Wir widmen dem Ort daher den Schwerpunkt unserer aktuellen Ausgabe. Auf den Spuren des Yiwu-Modells haben wir uns exklusiv für Sie in der berühmten International Trade City Yiwu umgesehen, dort mit zahlreichen Händlern und Verantwortlichen gesprochen.

Von smarten Tech-Revolutionen bis hin zu maßgeschneiderten Weihnachtsprodukten für den globalen Markt ist im Yiwuer „Weltsupermarkt“ alles zu haben. Viele ausländische Geschäftsleute schätzen die Stadt aber längst auch als Plattform, um Chinas E-Commerce und Livestreaming-Geschäft besser zu verstehen. Zudem tut sich Yiwu mit neuen Ansätzen zur Integration hervor. Im Viertel Jimingshan leben neben Chinesen rund 1400 Menschen aus aller Welt. Hier zeigt China erfolgreich gelebte Integration.

Selbst mitverfolgt hat den beachtlichen Wandel der Stadt der Deutsche Peter Kreutzberger, einst Generalkonsul in Shenyang. Nach Yiwu führten ihn seine Wege erstmals vor zwanzig Jahren. In seinem Gastbeitrag schildert der China-Kenner seine ganz eigenen Eindrücke vom Wandel der Stadt. Eng verbunden mit Yiwu ist zudem die Stadt Duisburg, nämlich über den China-Europa-Express auf der Schiene. In seinem Gastbeitrag erklärt hier der chinesische Generalkonsul in Düsseldorf Yu Yong, wie die Wirtschaftsverflechtung auch die Völkerverständigung beflügelt.

Dem Schlagen kultureller Brücken hat sich auch Felix Kurz verschrieben. Der Vorstandsvorsitzende der Gesellschaft für Deutsch-Chinesische Freundschaft der Metropolregion Rhein-Neckar pendelt seit mehr als drei Jahrzehnten zwischen China und Deutschland. Er hat für sich unter anderem den Fußball als gemeinsame Sprache des Austausches entdeckt.

Wie eine Partnerschaft auf Augenhöhe zwischen China und der EU gelingen kann, nimmt die außerordentliche Professorin Chen Yang von der Fakultät für Europastudien der Beijing International Studies University für uns unter die Lupe. In Ihrem Kommentar analysiert die Forscherin, warum die Abstempelung Chinas als Wirtschaftsrisiko dem Faktencheck nicht standhält.

Dass über Jahrzehnte gewachsenes Vertrauen tiefer wurzelt als tagespolitische Schwankungen, beweist die Städtepartnerschaft zwischen Aachen und Ningbo, die im April ihr 40-jähriges Bestehen feierte. Volker Hagen, Vorstandsmitglied des Freundschaftsvereins Aachen-Ningbo, gibt im Jubiläumsjahr einen Rück- und Ausblick auf die Vorzeigeverbindung.

Außerdem haben wir uns für Sie nach Huangqiao begeben, Chinas Geigenstadt. Denn viele der Violinen, die heute in Konzertsälen in aller Welt erklingen, stammen nicht etwa aus Europa, sondern aus diesem unscheinbaren Örtchen in Ostchina.

Und wer in den letzten Monaten nach China gereist ist, kam an einem Thema nicht vorbei: Lotusblüten. Chinas Tourismussommer 2026 steht vielerorts im Zeichen dieser pinken Pracht. Von den kaiserlichen Gärten Beijings bis in die Wasserstädte Südchinas hat sich ein ganzes Geschäftsmodell rund um die Naturschönheiten entsponnen. Kommen Sie also mit uns auf eine Blütentour!

Wir wünschen Ihnen eine unterhaltsame und erkenntnisreiche Lektüre.

Ihr Redaktionsteam