Während der einwöchigen Nationalfeiertagsferien Anfang Oktober 2026 sorgte ein neuer China-Trend international für Aufsehen: „China Haul“, ein Begriff für das Präsentieren von Einkäufen aus China in den sozialen Medien. Es ist längst nicht das erste Mal, dass ein China-bezogenes Schlagwort weltweit viral geht. Auf „China Travel“, „China Cool“, „China Shopping“, „Chinamaxxing“ folgt nun also „China Haul“. Diese Trends zeugen davon, wie sich die Wahrnehmung Chinas im Ausland wandelt.
Von traditionellen Souvenirs zu Hightech: Wie sich die Einkaufslisten ausländischer Touristen wandeln
Früher nahmen ausländische Touristen vor allem traditionelle Souvenirs wie Seide, Fächer und Tee mit nach Hause. Heute stehen Wearables, Smartphones, Drohnen, Actionkameras, Kosmetika sowie Lifestyleprodukte weit oben auf ihren Einkaufslisten. In den Videos zahlreicher ausländischer Influencer werden chinesische Produkte längst nicht mehr nur wegen ihrer günstigen Preise geschätzt. Zunehmend stehen auch ihre technologische Raffinesse, ihr anspruchsvolles Design und ihre Innovationskraft im Mittelpunkt.
Laut einem Bericht von ChinaFocus sind viele der neuen chinesischen Produkte, die sich im Ausland großer Beliebtheit erfreuen, keineswegs bloße Massenware. Sie vereinten technologische Innovation mit chinesischer Ästhetik. Der „China Haul“-Trend bedeutet daher keineswegs, dass chinesische Produkte ihre kulturellen Wurzeln aufgeben, um dem Geschmack ausländischer Verbraucher zu entsprechen. Im Gegenteil: Gerade ihre Eigenständigkeit mache sie für ausländische Verbraucher besonders attraktiv.
Besonders gefragt sind chinesische Technologieprodukte. Einer CGTN-Umfrage zufolge würden 48,3 Prozent der Befragten bei einer China-Reise am liebsten Technologieprodukte und intelligente Geräte kaufen. Damit liegen diese deutlich vor kreativen Kulturprodukten mit chinesischen Merkmalen (23,3 Prozent), chinesischen Lebensmitteln und Snacks (18,7 Prozent) sowie traditioneller und trendiger Kleidung (9,6 Prozent). In einem Unboxing-Video eines US-amerikanischen Musikbloggers waren unter anderem Drohnen, Handkameras mit Gimbal-Stabilisierung und drahtlose Mikrofone zu sehen. Unter dem Video häuften sich Kommentare, in denen nach Links zu den Produkten gefragt wurde.
Ausländische Touristen beim Aussuchen von AI-Sportkamera-Brillen in einem Laden in Shenzhen. (Foto vom 3. August 2026, Liang Xu/Xinhua)
Einem Bericht von Xinhua zufolge spiegeln die veränderten Einkaufsgewohnheiten ausländischer Touristen den Wandel von „Made in China“ hin zu innovativer Fertigung und starken chinesischen Marken wider. Dahinter stehen Chinas leistungsfähige industrielle Basis, sein riesiger Binnenmarkt und das enge Zusammenspiel von Forschung und Entwicklung, Design, Produktion, Markenaufbau und Vertrieb. All dies ermöglicht es chinesischen Unternehmen, ihre Produkte kontinuierlich weiterzuentwickeln und technische Innovation mit eigenständiger Ästhetik zu verbinden. Chinesische Produkte stehen heute nicht mehr nur für hochwertige Fertigung, sondern vermitteln zugleich auch einen Einblick in das chinesische Design und den Lebensstil des Landes. Ausländische Besucher nehmen daher nicht nur Waren mit nach Hause, sondern gewinnen auch unmittelbare Eindrücke in Chinas Innovationskraft, kulturelle Vielfalt und wirtschaftliche Dynamik.
Von Sehenswürdigkeiten zum Alltag: Ausländer entdecken China auf neue Weise
Das wachsende Interesse an China zeigt sich nicht nur beim Einkaufen, sondern auch darin, wie ausländische Touristen das Land erkunden – zunehmend über die bekannten Sehenswürdigkeiten hinaus und mitten hinein in den Alltag.
Ein ausländischer Tourist kostet ein Glas lokalen süßen Schnaps im Dorf Ping'an im Kreis Longsheng im Autonomen Gebiet Guangxi der Zhuang-Nationalität im Süden Chinas. (Foto vom 1. November 2026, Cao Yiming/Xinhua)
Laut einer CGTN-Umfrage interessieren sich mehr als die Hälfte der Befragten für historische und kulturelle Sehenswürdigkeiten. Es folgen Naturlandschaften, kulturelle Erlebnisse und Einblicke in das moderne Leben chinesischer Großstädte. Viele ausländische Touristen erkunden belebte Straßen und Gassen, probieren regionale Spezialitäten und reisen in kleinere Städte und ländliche Gebiete. Dort kommen sie mit Einheimischen ins Gespräch und lernen deren Alltag aus nächster Nähe kennen. So erschließen sie sich China auf unterschiedliche Weise - nicht nur als Reiseziel, sondern auch als authentische Lebenswelt.
Besonders stark wächst das Interesse am Technologietourismus. Erlebniszentren für Roboter, New Energy Vehicles (NEVs) und autonomes Fahren entwickeln sich zu beliebten Anlaufpunkten. In einem vom chinesischen Unternehmen Unitree Robotics betriebenen Robotik-Erlebniszentrum in Shanghai versammelten sich ausländische Besucher. Sie sahen einem Roboterhund beim Gehen, Springen und bei Rückwärtssaltos zu und steuerten ihn selbst. Das Zentrum, Unitrees erstes Erlebniszentrum für verkörperte Intelligenz in ganz Asien, hat seit seiner Eröffnung im Juni mehr als 1.000 ausländische Besucher empfangen. Einige internationale Reisegruppen führen es inzwischen als festen Programmpunkt.
„Seit dem vergangenen Jahr beobachten wir, dass der Technologietourismus für ausländische Besucher zunehmend an Bedeutung gewinnt. Deshalb haben wir nach und nach entsprechende Angebote auf internationalen Plattformen eingeführt“, sagte Fang Zexi, Branchenanalystin am Ctrip Research Institute. Das Angebot umfasse Werksbesichtigungen, Erlebnisse rund um Zukunftstechnologien und Technologiefestivals. Zu den Reisezielen zählten wichtige Technologiezentren wie Shenzhen, Shanghai, Hangzhou, Guangzhou und Beijing.
Russische Touristen interagieren mit einem Roboter in einer Filiale von Unitree Robotics. (Foto vom 30. April 2026, Xinhua)
Was ausländische Besucher von China mit nach Hause nehmen, ist heute nicht mehr allein von Eindrücken der Großen Mauer, von Pandas oder Kungfu geprägt. Ebenso prägend können stattdessen auch ein gut ausgebautes U-Bahn-Netz, eine Mahlzeit um zehn Uhr abends, ein überall verfügbarer Leih-Akku für das Smartphone oder die Möglichkeit sein, mehrere Hundert Kilometer an einem Tag zurückzulegen und noch am selben Abend zurückzukehren – ermöglicht durch Chinas leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur. Wie ein ausländischer Blogger es formulierte, seien es oft gerade die konkreten, alltäglichen und unmittelbar erlebbaren Momente, die besonders lange in Erinnerung blieben.
Ein offenes Umfeld macht China zu einem attraktiven Reiseziel
Die „China+“- Schlagwörter sind nicht nur kurzlebige Trends in sozialen Medien, sondern entwickeln sich zu einem globalen Konsum- und Kulturphänomen. Dazu trägt die fortschreitende Öffnung Chinas bei.
China hat die Zahl der Länder, deren Bürger einseitig visumfrei einreisen dürfen, auf 50 erhöht. Die Regelung für visumfreie Transitaufenthalte von bis zu 240 Stunden gilt inzwischen für Bürger aus 57 Ländern. Mobile Zahlungsdienste mit ausländischen Bankkarten sind in mehr als 200 Ländern und Regionen nutzbar. Bezahlen per QR-Code und die sofortige Steuerrückerstattung erleichtern den Konsum während des Aufenthalts.
In Huaqiangbei, dem Elektronikhandelsviertel von Shenzhen, können Kunden ihre ausgewählten Waren direkt versenden lassen. Im Einkaufszentrum Zhonghua City in Xiamen ist die gebündelte Abwicklung von Steuerrückerstattungen für Einkäufe in verschiedenen Geschäften möglich. Im Yuyuan-Garten in Shanghai liegen Einkaufen, Geldwechsel und Steuerrückerstattung innerhalb von fünf Minuten zu Fuß beieinander.
Visaerleichterungen, einfachere Zahlungsabläufe, hocheffiziente Steuerrückerstattungen und bessere touristische Dienstleistungen ermöglichen zusammengenommen eine einfache und bequeme China-Reise.
Die Wirkung des offeneren Umfelds lässt sich auch an den Zahlen ablesen. Während der Nationalfeiertage wurden 682.000 Einreisen von Ausländern verzeichnet, davon 505.000 im Rahmen der Visumbefreiungsregelung. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht dies Zuwächsen von 5,4 beziehungsweise 9,2 Prozent. Nach Angaben der Nationalen Einwanderungsbehörde registrierten die chinesischen Grenzkontrollstellen während der Ferien insgesamt 15,462 Millionen Ein- und Ausreisen chinesischer und ausländischer Reisender. Das entspricht durchschnittlich 2,209 Millionen Vorgängen pro Tag und einem Anstieg von 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Vom Blick auf China über den Kauf chinesischer Produkte bis hin zum Lernen von China und sogar dem Wunsch, ein Stück weit chinesisch zu leben: Die Reihe der „China+“-Trends, die Dynamik und Innovationskraft eines modernen China widerspiegeln, ist längst nicht am Ende. China wird seine Türen weiter öffnen.

