Unternehmensberater Ming Yang: „Für mich gehören Wirtschaft und Integration unmittelbar zusammen“

Der Unternehmensberater Ming Yang lebt schon lange in Frankfurt am Main und engagiert sich für den chinesisch-deutschen Austausch. Zum dritten Mal in Folge hat man ihn in die Kommunale Ausländervertretung (KAV) der Mainmetropole gewählt und zum Delegierten des Ausländerbeirats des Landes Hessen (AGAH). Zudem ist er Leiter der China-Kooperation des Senate of Economy Europe und des Deutschen Wirtschaftsrats, daneben China-Hauptvertreter des Weltmarktführer-Gipfels (Hidden Champions Summit). Im Gespräch mit „Dialog China-Deutschland“ erklärt er, was ihn antreibt und wie er die Zukunft des chinesisch-deutschen Austausches sieht. 

  

Ming Yang bei der dritten Chinesisch-Europäischen Konferenz für ESG-Best-Practice von Unternehmen (Foto: Interviewpartner) 

Skizzieren Sie doch bitte kurz Ihren Werdegang: Was führte Sie in die Rolle eines Brückenbauers zwischen China und Deutschland? 

Ich entstamme der ethnischen Minderheit der Yi in China und hatte das große Glück, als einer der ersten Stipendiaten aus meiner Region und aus China insgesamt die Möglichkeit zu erhalten, in Deutschland zu studieren. Diese Erfahrung hat mein Leben nachhaltig geprägt. Sowohl China als auch Deutschland haben mir Chancen eröffnet, für die ich bis heute sehr dankbar bin. 

Durch mein Studium und meine berufliche Tätigkeit habe ich früh erkannt, wie viel beide Länder voneinander lernen und profitieren können. Daraus entstand mein Wunsch, Brücken zwischen Deutschland und China zu bauen – nicht nur wirtschaftlich, sondern auch gesellschaftlich und kulturell. Seit vielen Jahren engagiere ich mich deshalb für den interkulturellen Dialog sowie für die Förderung des Mittelstands und der Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern. 

Einerseits sind Sie im Ausländerbeirat der Stadt Frankfurt und darüber auch im Land Hessen aktiv, andererseits engagieren Sie sich in verschiedenen Wirtschaftsgremien. Wie passen diese beiden Bereiche zueinander und wo unterscheiden sie sich? 

Für mich gehören diese beiden Felder unmittelbar zusammen. Wirtschaftliche Teilhabe ist schließlich ein wichtiger Bestandteil gesellschaftlicher Integration, und erfolgreiche Integration schafft wiederum die Grundlage für wirtschaftlichen Erfolg. In der Kommunalpolitik beschäftige ich mich vor allem mit Integration, Chancengleichheit, Bildung und Teilhabe. In der Wirtschaft geht es stärker um Innovation, Investitionen und internationale Kooperationen. 

Gleichzeitig liegen mir die Förderung von Studierenden mit Migrationshintergrund, schulische Sprachförderung sowohl in deutscher als auch chinesischer Sprache, kulturelle Projekte sowie die Bekämpfung von Diskriminierung besonders am Herzen. Ebenso wichtig ist mir die Vernetzung verschiedener Communities. Gerade von einer internationalen Stadt wie Frankfurt kann man viel lernen. Das gemeinsame Ziel bleibt jedoch immer dasselbe: Menschen zusammenbringen und gegenseitiges Verständnis fördern. 

Teilnehmende der Dialogveranstaltung „Champion-Synergien und integrierte intelligente Fertigung“ 2026 für Hidden Champions aus den Reihen spezialisierter innovativer KMUs (Foto: Interviewpartner) 

Kommunalpolitik scheint eher ein kleiner Hebel angesichts der Komplexität des chinesisch-deutschen Verhältnisses. Warum setzen Sie gerade hier an? 

Nun, die großen internationalen Beziehungen beginnen eben oft auf kommunaler Ebene. Städtepartnerschaften, Hochschulkooperationen, Unternehmensnetzwerke und kulturelle Projekte entstehen meist vor Ort. 

Frankfurt ist eine internationale Stadt mit Menschen aus über 170 Nationen und zugleich ein bedeutender Finanz- und Wirtschaftsstandort. Sowohl hier als auch in den Regionen der deutschen Hidden Champions, beispielsweise rund um Schwäbisch Hall, können konkrete Projekte entstehen, die später nationale oder sogar internationale Wirkung entfalten. 

Wo sehen Sie aktuell Ihre Schwerpunkte, was wollen Sie erreichen? 

Mein Schwerpunkt liegt derzeit auf der Unterstützung mittelständischer Unternehmen sowohl in Deutschland als auch in China. Große Konzerne verfügen bereits über die nötigen Ressourcen und Netzwerke, um internationale Märkte zu erschließen. Für viele kleine Betriebe gestaltet sich dies wesentlich schwieriger. 

Ich möchte insbesondere deutschen Firmen helfen, die auf dem chinesischen Markt Fuß fassen möchten, ihre Produkte und ihre Qualität sichtbar zu machen. Gerade im Bereich Lebensmittel, Agrarprodukte und hochwertige Waren „Made in Germany“ von erfolgreichen Familienunternehmen, die weiter wachsen möchten, sehe ich großes Potenzial. 

  

Auf dem China-Deutschland (China-Europa) Hidden-Champions-Forum 2026: Mit von der Partie waren über 400 internationale Vertreter aus verschiedenen Branchen, darunter 70 Prozent Delegierte sogenannter „Hidden Champions“. (Foto: Interviewpartner) 

Wie bewerten Sie das momentane Verhältnis zwischen China und Deutschland? 

Deutschland und China sind wichtige wirtschaftliche Partner und tragen gemeinsam eine besondere Verantwortung für Stabilität und Wohlstand in der Welt. Natürlich gibt es unterschiedliche politische Systeme und unterschiedliche Sichtweisen auf bestimmte Themen, die sich im Laufe der Zeit weiterentwickeln. Dennoch bin ich überzeugt, dass Dialog und Zusammenarbeit langfristig erfolgreicher sind als Abschottung und Konfrontation. 

Wie ließe sich das Verhältnis Ihrer Meinung nach weiter ausbauen? 

Wir benötigen meines Erachtens noch mehr direkte Kontakte zwischen Unternehmen, Hochschulen, Städten und zivilgesellschaftlichen Organisationen. Besonders wichtig sind persönliche Begegnungen und gegenseitiges Verständnis. Der Mittelstand spielt dabei eine Schlüsselrolle. Viele deutsche Familienunternehmen verfügen über hervorragende Produkte und Technologien, während China einen großen und dynamischen Markt bietet. 

Hinzu kommt, dass deutsche Familienunternehmen in vielen ländlichen Regionen nicht nur qualitativ hochwertige Produkte herstellen, sondern auch maßgeblich zu Wohlstand, Beschäftigung und Lebensqualität außerhalb der großen Ballungsräume beitragen. Dafür gibt es in China großen Respekt. Hier bestehen große Chancen für beide Seiten. 

  

Frankfurt am Main, Sitz der Europäischen Zentralbank 

Was ist Ihre Vision? In welche Richtung werden sich die chinesisch-deutschen Beziehungen in den nächsten zehn Jahren entwickeln? 

Ich glaube, dass die wirtschaftliche Zusammenarbeit trotz aller geopolitischen Herausforderungen bestehen bleiben und sich weiterentwickeln wird. Die Welt steht vor gemeinsamen Aufgaben wie dem Klimawandel, demografischen Veränderungen und der technologischen Transformation. Diese Herausforderungen kann kein Land allein lösen. 

Meine Hoffnung ist, dass Deutschland und China in zehn Jahren auf ein noch dichteres Netzwerk wirtschaftlicher, wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Beziehungen zurückgreifen können. Ich wünsche mir, dass Familienunternehmen in Deutschland und China sich künftig noch stärker gegenseitig unterstützen und voneinander lernen, um beide Länder erfolgreich auf die Zukunft vorzubereiten. 

Ob Produktion, Stadtentwicklung, Umweltthemen oder die Optimierung von Prozessen – in all diesen Bereichen besteht enormes Potenzial für eine vertiefte Zusammenarbeit. Mein persönlicher Beitrag dazu besteht darin, weiterhin Brücken zu bauen und Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen. 

* Dieter Brockmeyer ist ein international anerkannter Medien- und Innovationsexperte, Publizist, Keynote-Speaker und Moderator. Seit 2019 ist er Mitglied der Chefredaktion des fek-eurojournal.eu. Er ist u.a. Mitgründer des Diplomatic World Institutes, DWI, in Brüssel, sowie Produzent der internationalen Video-Podcast-Reihe "Today & Tomorrow“ des DWI zum Thema Innovationsdenken. Er schreibt regelmäßig für Dialog China Deutschland. 

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