China und die IAEA haben in Wien das weltweit erste Abkommen für die kommerzielle Nutzung von Hochtemperatur-gasgekühlte Reaktoren (HTGR) unterzeichnet. Damit tritt Chinas Kerntechnologie der vierten Generation in die Phase der globalen Vermarktung ein.
Bei der Eröffnung der 70. Generalkonferenz der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) in Wien unterzeichneten Shi Qi, Geschäftsführer der CHINERGY Co., Ltd., und IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi das weltweit erste Kooperationsabkommen der IAEA auf dem Gebiet der Hochtemperatur-gasgekühlten Reaktoren (HTGR). Die Zeremonie fand im Beisein von Shan Zongde, dem Leiter der chinesischen Atomenergiebehörde (CAEA), und CNNC-Generaldirektor Zhang Tao statt.
Unterzeichnung des ersten globalen HTGR-Kooperationsabkommens zwischen CHINERGY und der IAEA.
Das Abkommen markiert den Startschuss für den globalen Kapazitätsaufbau bei HTGR-Technologien unter dem Dach der IAEA – mit China als Ausgangspunkt. Damit tritt Chinas fortschrittliche Reaktorarchitektur der vierten Generation von der kommerziellen Demonstration in die weltweite Vermarktung ein.
Chinas HTGR-Technologie vor rascher Industrialisierung
HTGR ist eine in China eigenständig entwickelte Kernkrafttechnologie der vierten Generation. Sie zeichnet sich durch hohe inhärente Sicherheit, hohe Effizienz und vielseitige Einsatzmöglichkeiten aus. Bei einer Austrittstemperatur des Primärkreislaufs von bis zu 750 Grad Celsius liefert der Reaktor hochwertigen Prozessdampf für Raffinerien, Schwerölförderung, Kohlechemie und Meerwasserentsalzung. Dies ermöglicht die Dekarbonisierung energieintensiver Industriezweige sowie die großtechnische Wasserstoffherstellung.
Als Wegbereiter brachte Chinergy Co., Ltd. im Jahr 2023 das weltweit erste kommerzielle Kugelhaufen-Hochtemperaturreaktorkraftwerk im ostchinesischen Shidaowan ans Netz. Derzeit entsteht in Jiangsu das Werk Xuwei – das weltweit erste Projekt, das einen HTGR mit einem Druckwasserreaktor koppelt, um primär Industriewärme zu liefern. Weitere Anlagen der 600-Megawatt-Klasse sind in Planung.
Unternehmenssitz der CHINERGY in Beijing.
Parallel dazu baut Chinergy seine Kapazitäten entlang der gesamten nuklearen Wertschöpfungskette aus und besitzt Qualifikationen in Reaktordesign, Druckbehälterfertigung und Anlagensicherheit.
Internationale Kooperation und gemeinsame Standards
Das Abkommen ist das erste der IAEA auf dem Gebiet der HTGR-Technologie. Es unterstreicht damit die internationale Anerkennung der chinesischen HTGR-Technologie und ihrer industriellen Anwendungskompetenz. Die internationale Zusammenarbeit wandelt sich dadurch vom Erfahrungsaustausch hin zur gemeinsamen Gestaltung internationaler Branchenstandards.
Gruppenfoto der chinesischen Delegation mit IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi (Mitte) vor dem China-Pavillon während der IAEA-Generalkonferenz in Wien.
Die Kooperation umfasst Forschung, Bau, Betrieb, Lieferketten und Fachkräfteentwicklung. Chinergy wird Fachtagungen mitgestalten, Schulungen ausrichten und globale Branchenressourcen bündeln. Dies soll insbesondere Schwellenländern den Einstieg in die HTGR-Technologie erleichtern und chinesische Innovationen als globales öffentliches Gut etablieren.

