4.285 Meter langer in eine Felswand gehauener Kanal lockt Fotografen und Wanderer nach Chongqing

Ein 4.285 Meter langer in eine Karstklippe im südwestchinesischen Chongqing gehauener Kanal sorgt in den sozialen Medien für Furore und lockt Fotografen wie Wanderer in das Dorf Qianjin im Bezirk Wulong.

Fast 1.000 Meter des Kanals verlaufen direkt in einer mehrere hundert Meter hohen Steilwand entlang, durch deren Felsspalten noch immer Quellwasser sickert.

1999 begannen die Dorfbewohner, den Wasserkanal mit Hammer und Meißel aus dem harten Fels zu hauen, und stellten ihn drei Jahre später fertig, um die Bergdörfer mit Wasser und Strom zu versorgen.

  

Eine Drohnenaufnahme vom 6. August 2026 zeigt den Wasserkanal im Dorf Qianjin in Chongqing. (Foto: He Penglei/China News Service) 

Von der Versorgungsleitung zum Ausflugsziel 

Mit der Einführung moderner Bewässerungsmethoden verlor der Kanal zunehmend an Bedeutung, doch seine spektakuläre Lage hat ihn zu einem beliebten Ausflugsziel für Naturliebhaber gemacht.

„Auf der einen Seite plätschert das Quellwasser, auf der anderen sieht man eine grüne Schlucht. Die Reise hat sich wirklich gelohnt“, erzählt Liu Zhengchun, ein begeisterter Wanderer aus Chongqing. Er kam gemeinsam mit Freunden hierher, nachdem er sich Videos auf Social Media angesehen hatte.

Er stellte fest, dass an der engsten Stelle des Kanals eine Person gerade noch vornübergebeugt hindurchpasst und an der Felswand die Meißelspuren der Bauarbeiten noch deutlich zu erkennen sind.

Auch ein Wasserfall in der Nähe eines Wasserkraftwerks entlang der Strecke hat sich zu einer Attraktion entwickelt.

Vom Erbauer zum Bewahrer des Kanals 

Der mittlerweile über 60 Jahre alte Erbauer Li Wufeng kümmert sich weiterhin um die Instandhaltung des Kanals und engagiert sich angesichts steigender Besucherzahlen ehrenamtlich als Sicherheitsbeauftragter.

„Früher war ich im Grunde genommen die einzige Person, die am Kanal entlangging“, erklärt Li. „Mittlerweile aber kommen immer mehr junge Leute hierher, um die Gegend zu erkunden, zu wandern und Fotos zu machen. Wenn viel los ist, begegnen mir manchmal mehr als 200 Besucher an einem Tag.“

Lokalregierung setzt auf den Tourismus 

Mit zunehmender Beliebtheit des Ortes widmen die Behörden der Sicherheit und dem Naturschutz immer mehr Aufmerksamkeit.

Die lokalen Verantwortlichen planen ein ringförmiges Naturerlebnisgebiet, das Besichtigungen, Erlebnisangebote und Freizeitaktivitäten miteinander verbindet. Hinzu kommen ergänzende Einrichtungen wie ein Parkhaus, ein Besucherzentrum, Holzstege entlang der Klippen und eine gläserne Aussichtsplattform.

Das Ziel ist, dem Kanal im Felshang, einst eine hart erkämpfte Versorgungsleitung für ein Bergdorf, im Zeitalter des Kulturtourismus eine neue Bestimmung zu geben.