Miyuru de Silva, eine sri-lankische Studentin in Tianjin, stöberte mit Freundinnen in einem Pop-Mart-Geschäft nach Blind-Box-Figuren und teilte ihren Fund anschließend sofort online. Wenige Minuten später fragten Freunde in Sri Lanka, wo sie die Figuren kaufen könnten. „Früher kaufte ich eher traditionelle Souvenirs wie Tee oder Seide“, sagt sie. Heute verbringt sie ihre Wochenenden mit trendigen Milchtees, Designer-Spielzeugläden, City Walks und Musikfestivals. Diese Erlebnisse geben ihr Einblick in die Lebensstile und Konsumgewohnheiten der jungen chinesischen Generation.
Ihre Geschichte spiegelt einen breiteren Wandel wider. Junge chinesische Konsumenten prägen nicht nur den heimischen Markt mit einheimischen Marken, originärem geistigem Eigentum (IP) und neuen Lifestyle-Erlebnissen, sondern wecken auch zunehmend das Interesse ausländischer Verbraucher.
Russische Touristen besuchen die Italian Style Area in Tianjin, 24. April 2026. (Foto:Xinhua)
Offiziellen Daten zufolge stiegen die Einzelhandelsumsätze mit Konsumgütern und Dienstleistungen in China im ersten Halbjahr 2026 um 2,7 Prozent im Jahresvergleich. Die Umsätze im Dienstleistungsbereich legten um 5,3 Prozent zu und übertrafen damit deutlich das Wachstum im Warenhandel (1,1 Prozent), wobei die Ausgaben für Kultur-, Sport- und Freizeitdienstleistungen besonders kräftig zulegten.
Diese Zahlen unterstreichen Chinas Bemühungen, neue Konsumformen zu fördern – im Rahmen einer umfassenderen Strategie zur Stärkung der Binnennachfrage und zur Entwicklung neuer Wachstumsimpulse.
Getrieben von jungen Verbrauchern haben sich IP-basierte Merchandise-Artikel, die boomende „Guzi“-Wirtschaft, trendige Teegetränke, Kreativmärkte, Musikfestivals und KI-gestützte Konsumprodukte zu lebendigen neuen Wachstumsfeldern entwickelt. Diese Trends verbreiten sich zunehmend über soziale Medien, grenzüberschreitende Reisen und kulturellen Austausch über China hinaus.
Auf Plattformen wie TikTok und YouTube gewinnen Hashtags wie „China Travel“ und „China Shopping“ weiter an Bedeutung. In ganz China stehen ausländische Besucher vor dem Pop-Mart-Flaggschiffgeschäft in Shanghai Schlange, besuchen trendige Getränkeläden in Chengdu und erkunden bei jungen Chinesen beliebte Reiseziele.
„Der Aufstieg originärer chinesischer Marken, IPs und neuer Konsumformate spiegelt Chinas wachsende Innovationsfähigkeit wider“, erklärte Tuo Yanzhen, außerordentliche Professorin der Nankai-Universität. Viele dieser Produkte und Erlebnisse hätten zunächst im Inland an Popularität gewonnen, bevor sie über soziale Medien und grenzüberschreitende Reisen in die internationalen Märkte gelangten. Ihre Anziehungskraft auf junge Verbraucher im Ausland zeige eine wachsende globale Nachfrage nach Personalisierung, kulturellem Ausdruck und emotionalem Wert.
Eine ausländische Studentin präsentiert traditionelle chinesische Trachten bei einer Modenschau an der Tianjin Foreign Studies University, 17. Juni 2026. (Foto: Xinhua)
Daten der Allgemeinen Zollverwaltung zeigen, dass der chinesische Warenhandel im ersten Halbjahr ein Volumen von 25,47 Billionen Yuan (3,75 Billionen US-Dollar) erreichte – ein Anstieg von 16,9 Prozent im Jahresvergleich. Eine wachsende Zahl kulturell-kreativer, technologiegetriebener und markenorientierter Konsumgüter gelangt in die Auslandsmärkte.
Erlebnisorientierter Konsum prägt den Jugendmarkt: Musikfestivals, Konzerte und kulturelle Veranstaltungen ziehen Teilnehmer aus dem In- und Ausland an. „Die chinesische Jugend folgt nicht länger nur globalen Konsumtrends – sie hilft, sie zu schaffen“, so Pang Hua, Professor an der School of New Media and Communication der Tianjin-Universität. „Chinesische Marken, Produkte und Lifestyle-Erlebnisse beeinflussen zunehmend, wie junge Verbraucher weltweit die chinesische Kultur entdecken und erleben.“

