35 Sekunden – so kurz dauert es, bis am Produktionsstandort der Yadea Technology Group in Wuxi in der Provinz Jiangsu ein kompletter E-Roller vom Band rollt. Im Durchschnitt gelangen so jede Minute 2,4 Elektrofahrzeuge „Made in China“ auf die globalen Märkte. Das Zauberwort dabei lautet: intelligente Fertigung. Von Elektrorollern bis zu smarten Haushaltshelfern, von Halbleiterelementen bis zu Türsystemen für den Schienenverkehr – China präsentiert sich mittlerweile als führende Kraft im Bereich smarte Produktion. Auch ausländische Unternehmen mischen dabei vor Ort kräftig mit. Viele haben längst Teile ihrer Forschung und Entwicklung nach China verlegt, wo sie gemeinsam mit chinesischen Partnern an den Lösungen und Produkten von morgen tüfteln.
Grund genug für uns, das Thema „Intelligente Fertigung“ zum Schwerpunkt unserer letzten Ausgabe dieses Jahres zu machen. Wir haben uns in Smart Factories in den Provinzen Jiangsu und Anhui, in Metropolen wie Shanghai, Nanjing und Beijing umgesehen, stets auf den Spuren des Erfolgsgeheimnisses der modernen chinesischen Fertigungsindustrie. Denn schon heute wird klar: China ist mit Hochgeschwindigkeit in die Produktionsspitzenliga vorgestoßen. Über 470 Industrieroboter kommen in der Volksrepublik derzeit auf 10.000 Beschäftigte. Zum Vergleich: In Deutschland sind es 429.
Außerdem werfen wir in dieser Ausgabe einen Blick auf den aktuellen Stand der chinesisch-deutschen Beziehungen. Professor Wu Huiping, Vizedirektorin des Deutschlandforschungszentrums der Tongji-Universität in Shanghai, beleuchtet für uns die Veränderungen und Perspektiven des bilateralen Verhältnisses seit dem Amtsantritt der neuen Bundesregierung. Ihre Fachkollegin Dr. Li Shasha hat derweil in unserem Auftrag die aktuellen Trends und Verschiebungen in den bilateralen Wirtschaftsbeziehungen unter die Lupe genommen. Sie erkennt Herausforderungen sowohl für deutsche als auch für chinesische Firmen im jeweils anderen Land, kommt aber dennoch zu dem Schluss, dass eine noch engere Zusammenarbeit für beide Seiten den Königsweg darstellt.
Norbert Egger lässt für „Dialog China-Deutschland“ den beeindruckenden Wandel der Küstenstadt Qingdao in den letzten vierzig Jahren Revue passieren. Der ehemalige Bürgermeister von Mannheim hat einst entscheidend zur Verschwisterung der beiden Städte beigetragen. Mittlerweile ist er Ehrenbürger Qingdaos und hat seine Erfahrungen im interkulturellen Miteinander in einem Buch dokumentiert.
Auch Zhu Bingren trägt auf seine Weise zum Kulturaustausch bei, indem er alte Handwerkskunst aus den Vitrinen auf internationale Laufstege holt. Der Künstler aus Zhejiang ist ein Meister des immateriellen Kulturerbes der Kupferbildhauerei. Nils Bergemann hat den über 80-Jährigen auf der Großen Mauer am Rande einer Fashionshow getroffen und erfahren, wie er seine Handwerkskunst so erstaunlich lebendig hält. Andernorts wird derweil mit Bambus, Papier und Lack gezaubert. Denn das sind die „Grundzutaten“ zur Herstellung chinesischer Ölpapierschirme, wie es sie schon seit der Han-Dynastie (202 v. Chr. bis 220 n. Chr.) bis gibt. Wir haben den Handwerksmeistern bei der Herstellung der filigranen Accessoires über die Schulter geblickt.
Quietschbunte Steine, soweit das Auge reicht, haben unsere Reporter im neuen Legoland Resort in Shanghai gesehen. Der weltweit elfte und bisher größte Themenpark seiner Art beflügelt gut ein halbes Jahr nach der Eröffnung Shanghais Kultur- und Tourismuswirtschaft. Unsere Autoren verraten, warum die Wahl gerade auf Shanghai fiel.
Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern eine unterhaltsame und erkenntnisreiche Lektüre, schöne Feiertage und einen guten Start ins Jahr 2026!
Ihr Redaktionsteam

